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David-Garret-Violin

Was David Garrett und Gerhard Schubert gemeinsam haben

Stargeiger David Garrett begeisterte als Überraschungsgast rund 1.700 Gäste bei der Jubiläumsveranstaltung am 1. Juli in der neuen Schubert-Montagehalle. Ein Herzenswunsch von Gerhard Schubert ging damit in Erfüllung. Zwei erfolgreiche Persönlichkeiten aus völlig unterschiedlichen Welten – und doch ergaben sich im Gespräch mit David Garrett erstaunlich klare Parallelen.

 

David, Sie treten normalerweise auf den großen Bühnen der Welt auf. Heute spielen Sie in der Fertigungshalle von Schubert. Ist das akustisch eine Herausforderung für Sie?

David Garrett: Ich habe nie so großen Wert auf Akustik gelegt. Da ich ein akustisches Instrument spiele, hab ich eigentlich die gesamte Akustik in meinen Händen. Ob ich jetzt in einer schönen Halle spiele oder in einem sehr trockenen akustischen Raum, das sollte keinen Unterschied machen. Der Ton, den ich mit den Händen fabriziere, ist das Entscheidende. Ich habe privat beim Üben auch gerne eine trockene Akustik um mich herum, um für alle Bühnen perfekt vorbereitet zu sein. Diese Halle hier ist vielleicht nicht die Konzerthalle, die man bei Klassikevents bevorzugt, aber für den heutigen Abend perfekt.

 

 

Heute feiern wir 50 Jahre Schubert. Gerhard Schubert, den Sie gerade kennengelernt haben, prägt durch seine Kreativität und seine Innovationskraft seit 50 Jahren den Verpackungsmaschinenbau. Früher wollte auch er einmal Musiker werden. Sie beide verbindet die absolute Leidenschaft für etwas, das Sie mit Pioniergeist und Innovationskraft konsequent verfolgen. Was treibt Sie an, zwischen Klassik und Crossover immer wieder Neues zu schaffen?

David Garrett: Der Anspruch an sich selbst treibt einen an, vor allem wenn man ein Stück weit nie zufrieden mit sich ist. Es ist dieses ständige Verbessern, diese ständige Frage „Wo kann die Reise noch hingehen?“ Wenn man in der Gegenwart wahnsinnig präsent lebt, sieht man jeden Tag sozusagen als neuen Baustein seines Lebens. Man denkt nicht, was habe ich gestern gut gemacht, sondern eher, was kann ich heute besser machen. Also, Anspruch heißt: Nie träge sein oder sagen, es war gestern Abend gut. Denn das, was heute ist, ist viel wichtiger als das, was gestern war.

Das verbindet Sie absolut mit Gerhard Schubert. Er ist jemand, der immer besser werden will und immer sagt: „Geht nicht gibt’s nicht.“

David Garrett: Ich weiß nicht, ob das bei Herrn Schubert genauso ist, aber für mich ist nie der Weg ein Problem. Ich stelle mir vor, wie etwas funktionieren soll. Wie es dann dazu kommt, ist eine andere Sache. Die Idee ist das Allerwichtigste. Also die Vorstellung, wie es am Ende sein muss. Zu wissen, das möchte ich erreichen. Die Wege dahin, die finden sich. Und dann ist die Umsetzung am Ende natürlich auch immer Teamwork. Wenn man weiß, was man möchte, kriegt man auch alles hin.

Sie sind heute Abend der Überraschungsgast, was bis jetzt geheim gehalten werden konnte. Das Fest ist vor allen Dingen eine Ehrung für die Mitarbeiter, durch die Schubert in 50 Jahren zum Weltmarktführer geworden ist. Wie fühlt sich das an, hier in Deutschland zu diesem Anlass zu spielen?

David Garrett: Ich freue mich natürlich sehr, hier eingeladen worden zu sein. Ich denke, dass es bei Veranstaltungen wie heute ganz wichtig ist, dass man das Team, das um einen herum ist, in den Erfolg mit einbezieht und sich bedankt. Ich mache ja meinen Beruf nicht nur alleine, sondern es gibt ganz viele Menschen, die mich unterstützen. Ich wünsche mir, dass die Mitarbeiter heute Abend sehr viel Spaß haben.

 

 

Wir feiern heute 50 Jahre Zukunft – die nächste Generation bei Schubert hat die Unternehmensführung übernommen. Haben auch Sie den Gedanken, Ihr Können weiterzugeben?

David Garrett: Ich glaube, das Weitergeben ist genauso eine große Verantwortung wie das Führen eines Unternehmens. Du musst dir Zeit nehmen, jemanden in die Dinge einzuführen. Die Verantwortung liegt darin, auch diese Geduld zu haben und das, was man über Jahre gelernt hat, jemandem über Jahre beizubringen. Das ist das Schwierigste. Deswegen mache ich das momentan noch nicht. Die Verantwortung ist mir zu groß. Wenn ich zum Beispiel jetzt unterrichten würde, könnte ich dies nicht zu 100 Prozent machen. Und alles, was ich im Leben mache, möchte ich zu 100 Prozent machen. Sonst braucht man es gar nicht anpacken.

Wie bringt man jemandem Kreativität bei?

David Garrett: Kreativität kommt von der Person selbst. Das kann man nicht unterrichten. Aber man kann die Grundbausteine legen. Sodass jemand, der wirklich Talent und Kreativität hat, sich auf diesem Fundament „ausruhen“ kann, um dann kreativ zu sein. Aber Kreativität, das kann man wirklich nicht beibringen. Auch Ambition. Das muss man in sich tragen, diese innere Unruhe, immer was Neues zu machen.

 

 

Stellen Sie sich vor, Sie hätten 50. Bühnenjubiläum, wie würden Sie das feiern?

David Garrett: (Lacht.) Ich weiß es nicht. Ich bin schon sehr lange auf der Bühne, bei mir sind es jetzt auch 20 Jahre. Ich denke immer noch eher: Was ist morgen? Was ist übermorgen? Ich glaube, man lernt beim Älterwerden, sich auch mal Gedanken zu machen und zufrieden zu sein mit den Ergebnissen. Das kommt sicher bei mir irgendwann in den nächsten paar Jahren, dass man ein bisschen ruhiger wird. Und vielleicht nicht immer nur Vollgas gibt.

Was wünschen Sie sich von dem heutigen Abend für das Publikum?

David Garrett: Musik ist Entspannung vom Leben. Auch für mich, wenn ich auf die Bühne gehe. Egal, was um mich herum passiert, das vergesse ich. Für mich ist Musik Urlaub vom Leben, reine Emotion, Gefühle erleben und erleben lassen. Mir ist es immer wichtig, das Publikum ein Stück weit abzulenken. Musik, Theater, ein gutes Buch lesen, Sport – all diese Dinge, die die Menschen lieben, sind ja Ablenkung von den schwierigen Dingen im Leben. Und wenn ich es schaffe, das Publikum für eine gewisse Zeit aus seinem Alltag zu reißen und die Musik zu genießen – das ist die Aufgabe, die ich mir stelle, immer wieder aufs Neue. Es gibt nichts, was gegeben ist im Leben. Und vor allem, Alles, was leicht aussieht, ist immer hart erarbeitet. Das darf man nie vergessen.

 

Das Gespräch führten Ariane Quade und Susanne Moll nachmittags nach dem Soundcheck.

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